Umsetzung der Mehrwertsteuer-Senkung in SAP

Ist Ihr SAP-System bereit für die Mehrwertsteueranpassung?

Die Bundesregierung hat aktuell ein Konjunkturpaket beschlossen, um den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise entgegenzuwirken. Dieses Paket beinhaltet unter anderem eine Senkung der Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr. Klingt nach einer guten Idee, doch eine kurzfristige Mehrwertsteueränderung hat im SAP-System massive Auswirkungen. Seit dem 1. Januar 2007 beträgt diese normalerweise 19 bzw. 7 % und wurde nun auf 16 bzw. 5 % heruntergestuft. Durch die Senkung der Mehrwertsteuer sinkt natürlich der Preis für den Kunden, da die Produkte günstiger werden. Dadurch sollen Kaufanreize geschaffen und der Konsum gesteigert werden. Die neue Regelung gilt ab dem 1. Juli 2020 und ist zunächst einmal auf 6 Monate beschränkt.

Was bedeutet das für Ihr System?

Für Sie als Unternehmer und Konsument bedeutet das aus wirtschaftlicher Sicht zunächst eine geringere Steuerlast. Um davon zu profitieren, muss der verringerte Steuersatz aber auch in Ihrem IT-System abgebildet werden. Im SAP-System ist die Mehrwertsteuer an verschiedenen Stellen hinterlegt. Sie ist dabei in den Einkaufs-, den Verkaufs- und in den Finanzbuchhaltungsprozessen zu finden. Im Normalfall sollte der Steuersatz in den Konditionssätzen des jeweiligen Moduls hinterlegt sein. Zusätzlich sollten Sie auch in jedem SAP-System prüfen, ob die Mehrwertsteuer auch als Festwert im ABAP-Code oder in Formularen hinterlegt ist.

Ihre persönliche Checkliste: Was gilt es jetzt zu tun?

1. Allgemeine Fragen klären

  • Welche Steuercodes werden bei Ihnen im System genutzt? Welche müssen geändert werden?
    Am einfachsten finden Sie dies in den entsprechenden Belegen heraus. Wenn Sie zum Beispiel über die Transaktion VF03 eine Faktura anzeigen und dann in einer Position auf den Konditionsreiter gehen, können Sie per Doppelklick auf den Konditionssatz Mehrwertsteuer in die Details abspringen. So können Sie in den entsprechenden Belegen sichten, welche Steuerkennzeichen tatsächlich genutzt werden. Für Einkaufsbelege können Sie dieses Vorgehen analog in der Transaktion ME23n nutzen. Sie können den Steuerschlüssel aber auch direkt auf den Konten im FI kontrollieren oder in den Konditionsdaten in der Datenbanktabelle KONV nachlesen.
  • Müssen für die neuen Mehrwertsteuersätze neue Steuercodes angelegt werden?
    Steuerkonditionssätze haben im SAP-System - wie jeder andere Konditionssatz - auch eine Gültigkeit. Sie sollten also einen neuen Konditionssatz mit gleichem Steuerkennzeichen für den Zeitraum der Mehrwertsteuersenkung anlegen. Nach aktuellem Stand gilt der Steuersatz von 16 bzw. 5 % vom 01.07.2020 bis zum 31.12.2020. Danach können Sie wieder den aktuellen Steuersatz von 19 bzw. 7 % im System angeben. So haben Sie die verschiedenen Steuersätze sauber mit ihren Gültigkeiten im System hinterlegt. 

2. Anpassungen an SAP-Konditionssätze

Sie müssen die Steuerkonditionssätze für alle Module anpassen, die Sie im Einsatz haben. Dazu können Sie folgenden Transaktionscodes nutzen:

Transaktionscode Beschreibung

  • VK12 - Ändern von Verkaufskonditionen aus dem Modul SAP SD
  • MEK2 - Ändern von Einkaufskonditionen aus dem Modul SAP MM
  • ML49 - Ändern von Konditionen für die Dienstleistungsabwicklung aus dem Modul SAP MM
Ihre Steuerkonditionsarten können Sie am besten in den genutzten Kalkulationsschemata nachschlagen. Diese können Sie direkt über die Transaktionscodes M/08 (Einkauf) oder V/08 (Verkauf) anzeigen.
Für die entsprechenden Konditionssätze und Steuerkennzeichen können Sie dann für den Zeitraum vom 01.07.2020 bis zum 31.12.2020 den neuen Konditionssatz von 16%, bzw. 5% für die ermäßigte Mehrwertsteuer einstellen.

3. Stamm- und Bewegungsdaten: Offene Belege prüfen

Prüfen Sie nach einer Änderung offene Belege. Gerade im Einkauf werden aktualisierte Konditionen nicht immer automatisch vom System gezogen. Führen Sie also für alle Belege eine neue Preisfindung durch.

4. Schnittstellen zu Drittsystemen

Nutzen Sie Schnittstellen zu Drittsystemen, in denen diese Steuercodes genutzt werden, wie bspw. IDOCS? Wenn Sie IDOCS nutzen, dann müssen evtl. Steuercodes in der Tabelle T076M überprüft und bei Bedarf ersetzt bzw. ergänzt werden.

5. Custom-Code-Prüfungen

Erfahrungsgemäß kommt es vor, dass im ABAP-Quellcode Festwerte verwendet werden. Bei der Änderung des Mehrwertsteuersatzes ist es zu empfehlen, ein Code Review durchzuführen und Festwerte im Quellcode durch dynamische Werte zu ersetzen. Weiterhin sollten Sie auch Formulare prüfen, da auch in diesen vereinzelt mit Festwerten gearbeitet werden kann.

BTC als Ihr verlässlicher Partner in Sachen SAP

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Sollten Sie Unterstützung bei der kurzfristigen Umsetzung der vorgeschriebenen Maßnahmen benötigen, sprechen Sie uns gerne an. Unsere Fachexperten stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Gemeinsam schaffen wir das!

Alexander Brocksieper
Head of SAP Business Development