GAIA-X

GAIA-X: Eine europäische Dateninfrastruktur für digitale Souveränität und Innovationen

Autorin: Yuanyuan Xiao 

Heutzutage werden die Daten europäischer Unternehmen hauptsächlich auf Servern in den USA gespeichert, da der Cloud-Markt von US-Cloud-Service-Anbietern dominiert wird. Nach den Informationen der Synergy Research Group beträgt der Gesamtmarktanteil der drei führenden Unternehmen – Amazon, Microsoft und Google – im Jahr 2019 fast 60 %, gefolgt von IBM mit 6 % und Alibaba mit 5 %.

Im Vergleich dazu haben die europäischen Anbieter deutlich weniger Marktanteil. Das birgt das Risiko der Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und der Unsicherheit im Hinblick auf den Datenzugang. Intensiviert wird diese Unsicherheit noch durch die Handelskonflikte und den CLOUD Act, der den US-Behörden erlaubt, IT-Dienstleister mit Sitz in den USA zu zwingen, ihnen Zugang zu Daten zu gewähren, auch wenn diese auf Servern außerhalb der USA gespeichert sind. Daher ist es für Europa notwendig, über die Sicherheit der zentralen Infrastruktur und über digitale Unabhängigkeit nachzudenken.

Mit Blick auf diesen globalen Kontext und die eigene aktuelle Situation in Europa wollen Vertreter*innen von Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam mit europäischen Partner*innen die nächste Generation einer sicheren, vernetzten Dateninfrastruktur für Europa schaffen, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt und Innovationen fördert. Dies soll durch das am 29.10.2019 im Rahmen des Digital-Gipfels offiziell vorgestellten Projekts GAIA-X realisiert werden, das nach der griechischen Erdgöttin Gaia benannt ist, die der Legende nach als eine der ersten Gottheiten aus dem Chaos entstand.

Angesichts der Tatsache, dass es heute in Europa viele verschiedene kleine Infrastruktur- und Plattformangebote gibt, die überhaupt nicht bzw. nur „chaotisch“ organisiert sind, ist es das Ziel des Projekts, diese zu strukturieren und auf Grundlage der europäischen datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen und der europäischen Werte zu integrieren. Im Rahmen von GAIA-X soll durch den Aufbau wichtiger Partnerschaften mit Frankreich und der EU-Kommission ein offenes und transparentes digitales Ökosystem geschaffen werden, in welchem Daten und Dienste zur Verfügung gestellt, zusammengeführt und vertrauensvoll geteilt werden können.

Im Vergleich zu den bisherigen Cloud-Infrastrukturen wie AWS und Azure, die Hyperscaler sind und primär eigene Dienste und Rechenzentrumskapazitäten bereitstellen, ist GAIA-X eher ein Dach für verschiedene Infrastruktur- und Serviceangebote:

  • Jeder Cloud-Dienst-Anbieter kann durch den Einsatz der GAIA-X-Technologie zu einem GAIA-X-Knoten werden.
  • Interoperabilität zwischen den Angeboten auf mehreren Ebenen (technisch und semantisch auf Netzwerk-, Daten- und Dienstebene) wird bereitgestellt, wodurch die Migration für Anwender vereinfacht wird und Lock-in-Effekte vermieden werden.
  • Rechte, Interessen und geistiges Eigentum an Daten und das damit verbundene Know-how werden geschützt: Technisch stellt eine Software-Komponente, der IDS Connector, Datenverknüpfungen und -analysen zwischen verschiedenen Mitgliedern sicher, wodurch die Datensouveränität für Anwender gewährleistet wird.
Geplant ist es, die Projektidee noch im Laufe des Jahres in feste Formen zu gießen. Die ersten Anwendungsfälle sollen dann gegen Ende des Jahres realisiert werden. Aktuell sind bereits mehr als 300 Unternehmen (u.a. SAP, Siemens und die Telekom) an dem Projekt beteiligt, das europaweit und auch international auf großes und kontinuierlich zunehmendes Interesse stößt.
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