Coronavirus befeuert Siegeszug von digitalen Kollaborationstools

Coronavirus befeuert Siegeszug von digitalen Kollaborationstools

Autor: Dr. Florian Fortmann

Der Coronavirus ist Auslöser einer der schwersten Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre. Viele Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sehen sich derzeit mit vielfältigen Einschränkungen und der Herausforderung konfrontiert, die Arbeitsfähigkeit ihrer ins Home Office verbannten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherzustellen. In diesen ungewöhnlichen Zeiten zeigen digitale Kollaborationstools einen praktikablen Lösungsweg auf. Im Vorteil sind jetzt Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die bereits früh in leistungsfähige IT-Infrastrukturen und digitale Arbeitsumgebungen investiert haben.

Wer hätte das gedacht? Hätten Sie mir vor vier Wochen erzählt, dass ich heute zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland bis auf weiteres im Home Office sitzen würde – ich hätte es nicht für möglich gehalten. Und doch ist es nun Realität. Nicht nur für mich, sondern für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Erst vor ein paar Tagen stufte die WHO die Situation von einer Epidemie zu einer Pandemie herauf. Damit handelt es sich nun offiziell nicht länger um ein lokales Phänomen, sondern um ein globales Ereignis. Die Folgen der Ausbreitung des Virus, sowie die von Regierungen getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung seiner Ausbreitung treffen viele Wirtschaftszweige sehr hart. Die OECD hält wegen des Coronavirus sogar eine Halbierung des Wachstums der Weltwirtschaft für möglich.

Das gesellschaftliche Leben ist in vielen Ländern, darunter auch Deutschland, zum Erliegen gekommen. Öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder und Theater haben den Betrieb vorsorglich eingestellt. Auch Kitas und Schulen sind von diesen Schließungen betroffen. In Zeiten wie diesen wird der Digitalisierungsrückstand an deutschen Schulen besonders spürbar. Obwohl es Ausnahmen gibt, sind digitale Ersatzangebote zur Aufrechterhaltung des Unterrichts in Deutschland nicht die Regel. Aus dem niedersächsischen Kultusministerium heißt es dazu in einer Stellungnahme: „Es gibt keine landesweite Anweisung, Unterricht online oder in digitaler Form vorzunehmen“. Dabei gäbe es geeignete digitale Lösungen. Dazu gehört beispielsweise Microsoft 365 Education. Mein Nachbar ist Lehrer an einer Grundschule. Er berichtet mit einem Kopfschütteln, dass auch seine Schule vorübergehend geschlossen bleibt. Anstatt digital unterstützt zu unterrichten, wird er nun endlich die Schränke im Werkraum aufräumen können.

Viele Unternehmen reagieren auf die Gefahr von Ansteckungen, sofern die Tätigkeiten der Mitarbeiter dies zulassen, mit der Anordnung von Home Office. Auch ich bin von dieser Regelung betroffen. Bis auf weiteres werde ich, soweit möglich, von Zuhause aus arbeiten. Es zeigt sich nun, dass Unternehmen im Vorteil sind, die in der Vergangenheit bereits in leistungsfähige IT-Infrastrukturen und digitale Arbeitsumgebungen investiert haben, die moderne Formen der Zusammenarbeit auf Distanz ermöglichen. Unternehmen, die dies bisher nicht für notwendig gehalten haben, werden sich nun kurzfristig um Lösungen bemühen müssen. So wird der Coronavirus spürbar zu einem Digitalisierungsschub in Deutschland beitragen.

Tatsächlich erleben digitale Kollaborations-Tools wie Microsoft Teams bereits einen ungeahnten Boom. So schrieb ein hochrangiger Manager von Microsoft vor kurzem in einem Blogbeitrag, dass seit dem 31. Januar 2020 ein 500-prozentiger Anstieg an Teams-Meetings, Anrufen und Konferenzen verzeichnet wurde. Um diesen Trend weiter zu befeuern, stellt das Unternehmen aus Redmond seine Kollaborations-Tools derzeit kostenlos zur Verfügung. Im selben Blogbeitrag heißt es dazu von Microsoft: „Indem wir Teams so vielen Menschen wie möglich zur Verfügung stellen, wollen wir die öffentliche Gesundheit und Sicherheit unterstützen“.

Klar ist: Das Coronavirus wird nicht einfach binnen der nächsten Wochen verschwinden. Spannend bleibt daher die Frage, ob der durch das Virus befeuerte Trend zum Home Office unsere Art zu Arbeiten nachhaltig verändern wird. Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, denen Home Office gerade zwangsverordnet wurde, werden sich schnell an ihre neue Freiheit gewöhnen und diese sicherlich auch nach Bewältigung der Krise nicht einfach so wieder hergeben wollen. Arbeitgeber, die in der Vergangenheit gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern argumentierten, Home Office wäre nicht möglich, fehlt dann vermutlich ihre Argumentationsgrundlage. Verhilft der Coronavirus also letztlich dem „Neuen Arbeiten“, auch New Work genannt, zu einem Siegeszug in Deutschland? Dies erscheint zumindest im Bereich des Möglichen. Und es wäre wünschenswert, liegen die Vorteile von zeitlicher und räumlicher Flexibilität, die digitale Kollaborationstools bietet, doch auch in „normalen Zeiten“ auf der Hand.

Dr. Florian Fortmann
Senior Consultant