Das Weißbuch zur künstlichen Intelligenz - ein Kommentar

KI-Technologieführerschaft durch Akzeptanz und Vertrauen: Eine bemerkenswerte Positionierung der EU

Autor: Dr. Christian Hinrichs

Die Europäische Kommission hat am 19. Februar 2020 das Weißbuch zur künstlichen Intelligenz vorgelegt. Ein notwendiger und wichtiger Schritt. Ehrlich gesprochen: Ich bin positiv überrascht. 

Das Weißbuch bietet einen Rahmen sowohl zur Regulierung als auch zur Förderung von künstlicher Intelligenz (KI) in Entwicklung und Nutzung, wobei insbesondere unsere europäischen Werte, wie Menschenwürde und Schutz der Privatsphäre, als Eckpfeiler zugrunde gelegt werden. Damit verschafft sich Europa eine bemerkenswerte Position im globalen Wettkampf um die KI-Technologieführerschaft, nämlich eine, die auf Akzeptanz und Vertrauen der Menschen beruht.

Was genau ist eigentlich KI? Die Definition ist schwierig. Aus meiner Sicht ist der wichtigste Aspekt der KI, dass intelligentes Verhalten automatisiert wird. Etwas weiter gefasst könnte man ergänzen, dass KI-Systeme einen bestimmten Grad an Autonomie besitzen, um die ihnen auferlegten Ziele selbstständig zu erreichen. Dabei sind sie zumeist auch darauf angewiesen, ihre Umgebung zu analysieren, um Schlüsse für ihre Handlungsentscheidungen zu ziehen. Dass die resultierenden Entscheidungen oftmals im Nachhinein von Menschen nicht mehr nachvollziehbar sind – es also nur eine geringe Erklärbarkeit der zugrunde liegenden Algorithmen gibt – trägt verständlicherweise zu einer gedrosselten Akzeptanz von KI in unserem Alltag bei.

Die Grundbausteine des Weißbuches der EU-Kommission sind daher Exzellenz und Vertrauen:

Das Ökosystem für Exzellenz soll Anreize für Innovation und Fortschritt von KI bieten und erstreckt sich über die gesamte Wertschöpfungskette von Forschung bis hin zur Nutzung von KI. Beispielsweise sollen alle Bemühungen um größere Exzellenz durch ein europäisches Leitzentrum koordiniert und auf globaler Ebene vertreten werden.

Zugleich bietet das Ökosystem für Vertrauen einen im gesamten EU-Raum gültigen regulatorischen Rahmen für KI, um optimale Ergebnisse für die Gesellschaft, die Umwelt und die Wirtschaft durch KI zu ermöglichen ohne die Rechtsvorschriften sowie Grundsätze und Werte der EU zu verletzen. Dabei wird ein sogenannter risikobasierter Ansatz verfolgt: Je höher das Risiko auf Gefährdung von Grundrechten, Gesundheit oder Sicherheit von Menschen durch ein KI-System, desto stärker die Regulierung des betreffenden KI-Systems. Und genau das finde ich richtig so.

Mit meinen Kolleginnen und Kollegen bei BTC habe ich mich bereits im vergangenen Jahr auf europäischer Ebene an der Ausarbeitung von Leitlinien für eine vertrauenswürdige KI beteiligt, welche nun sukzessive in den regulatorischen Rahmen der EU integriert werden. Das freut mich.

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema im Weißbuch zur künstlichen Intelligenz.

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