Die zweite Deadline neben 2027
Während die Diskussion um SAP S/4HANA fast ausschließlich um das Wartungsende 2027 kreist, lief am 31. Mai 2026 eine wesentlich näherliegende Frist ab: Für die meisten sogenannten Compatibility Packs (CPs) endete das befristete Nutzungsrecht. Wer heute noch klassische ECC-Funktionen auf seiner S/4HANA-Instanz nutzt, ist damit unmittelbar betroffen – nicht erst 2027.
Dieser Beitrag erklärt, was hinter den Compatibility Packs steckt, was am Stichtag konkret passiert – und mit welchem strukturierten Vorgehen BTC seine Kunden in den verbleibenden Monaten sicher in den Standard überführt.
Was Compatibility Packs eigentlich sind
Als SAP mit S/4HANA den Funktionsumfang neu zugeschnitten hat, fielen zahlreiche aus ECC bekannte Komponenten aus dem strategischen Standard heraus – darunter klassische Module wie Warehouse Management (WM), Project System (PS) oder HCM. Damit Bestandskunden ihre laufenden Prozesse nicht von einem Tag auf den anderen umstellen müssen, hat SAP befristete Nutzungsrechte eingeräumt: die Compatibility Packs. Sie erlauben es, einzelne klassische Funktionen auf einer S/4HANA-Instanz weiter zu betreiben – als Brücke, nicht als Dauerlösung.
Wichtig: Compatibility Packs greifen ausschließlich im On-Stack-Betrieb, also wenn die klassische Funktion innerhalb derselben S/4HANA-Instanz läuft. Side-by-side-Szenarien – etwa ein eigenständiges WM-System neben S/4HANA – benötigen kein CP, sondern lediglich die jeweilige Standardlizenz.
Was am 31. Mai 2026 passiert – und was nicht
Mit dem 31. Mai 2026 endete das Nutzungsrecht für den Großteil der Compatibility Packs im On-Premise-Betrieb. Ausnahmen sind die Bereiche Customer Service (CS), Transportation (LE-TRA) und Process Industry (PP-PI) – hier reicht die Frist bis Ende 2030. Cloud-Subscription-Kunden haben grundsätzlich bis 31. Dezember 2033 Zeit. Die Wartung für S/4HANA On-Premise selbst ist bis mindestens 2040 zugesichert – das CP-Thema steht also unabhängig von der allgemeinen S/4HANA-Roadmap.
Wer den Stichtag überschreitet, ohne in den Standard migriert zu haben, bewegt sich gleich in zwei Risikozonen: Erstens ist die weitere Nutzung nicht mehr lizenziert – ein klarer Fall von Commercial Non-Compliance. Zweitens endet der SAP-Support für die betroffenen Funktionen; ab Release 2025 FPS1 beginnt SAP zudem, einzelne CP-Funktionen technisch zu deaktivieren. Die Ankündigung erfolgt jeweils etwa ein Jahr vorher über sogenannte Business Impact Notes – Reaktionszeit bleibt also knapp.
Drei Stolperfallen, die jetzt teuer werden
In unseren Projekten sehen wir immer wieder dieselben Muster, die CP-Themen größer machen als sie sein müssten – meist nicht aus technischen, sondern aus organisatorischen Gründen.
- Unklarer Scope: Welche CPs tatsächlich produktiv genutzt werden, ist in vielen Unternehmen nicht sauber dokumentiert. Ohne diese Transparenz wird jede Roadmap zur Schätzung.
- Vermischung mit der S/4HANA-Strategie: CP-Ablösung wird oft in das große Transformationsprojekt hineingezogen – und damit unnötig verzögert. Beide Themen folgen unterschiedlichen Logiken und Deadlines.
- Späte Lizenz-Diskussion: Die Folgelösungen (z. B. EWM, IBP) erfordern eigene Lizenzen und teils erhebliche Vorlaufzeiten in Beschaffung und Architektur. Wer erst 2026 anfängt zu verhandeln, verliert Spielraum.
Drei Hebel, mit denen die CP-Ablösung gelingt
Unser Ansatz für die CP-Ablösung ist bewusst schlank gehalten und kombinierbar mit einer laufenden oder geplanten S/4HANA-Transformation. Er besteht aus drei aufeinander aufbauenden Schritten – Analyse, Roadmap, Umsetzung – und ist auf das verbleibende Zeitfenster zugeschnitten.
- Analyse der relevanten Scope Items
Ausgangspunkt ist eine belastbare Bestandsaufnahme: Welche Compatibility Packs sind in welchen Prozessen tatsächlich produktiv im Einsatz, mit welchem Volumen und welcher Geschäftskritikalität? Wir kombinieren dafür den SAP Readiness Check und den EarlyWatch Alert mit einer fachlichen Bewertung – ergänzt um die offizielle WayForward-Tabelle aus SAP-Note 2269324, die je CP die strategische Folgelösung benennt. Das Ergebnis ist eine eindeutige Scope-Liste, kein Bauchgefühl. - Kurzfristige, pragmatische Umsetzungsroadmap
Auf Basis der Scope-Liste entwickeln wir eine Roadmap, die jeden CP-Bereich einem klaren Pfad zuordnet: Migration in den strategischen Standard (z. B. EWM, IBP), technische Modernisierung mit Cleanup (z. B. Project System), bewusste Side-by-side-Lösung außerhalb der S/4HANA-Instanz oder – wo sinnvoll – Nutzung der verlängerten Frist bis 2030. Die Roadmap priorisiert nach Geschäftsrisiko, Lizenzlage und Umsetzungsaufwand und ist so geschnitten, dass kritische Bereiche sicher in den Standard überführt sind. - Umsetzung der offenen Themen
In der Umsetzung führen wir die priorisierten Pakete in parallelen Workstreams ans Ziel: Implementierung der Standardlösung und je nach Lösung Datenmigration, Anpassung von Schnittstellen und Custom Code, Test, Cutover und Hypercare. Wir arbeiten in agilen Sprints und binden Key User früh ein – damit Fachbereich und IT denselben Stand haben und Entscheidungen nicht im Lenkungskreis hängen bleiben.
Typische Handlungsfelder im Überblick
Die SAP-Note 2269324 listet je CP-Bereich die strategische Zielarchitektur. Drei Felder bestimmen in unseren Projekten den Großteil des Aufwands:
- Warehouse Management (WM): Strategischer Nachfolger ist SAP EWM – entweder embedded in S/4HANA oder als dezentrale Instanz. Für kleinere Lagerprozesse steht Stockroom Management als schlankere Option zur Verfügung.
- Project System (PS): Bleibt vorerst lauffähig, ist jedoch nicht mehr strategischer Standard. Der empfohlene Weg ist eine technische Modernisierung kombiniert mit gezieltem Cleanup historischer Projektstrukturen.
- CS, LE-TRA, PP-PI: Für diese Bereiche reicht das CP-Nutzungsrecht bis Ende 2030 – das verschafft Luft, ist aber kein Grund zur Verzögerung der Architekturentscheidung.
Was BTC bei der CP-Ablösung anders macht
Wir bringen die CP-Ablösung dort zum Erfolg, wo sie zwischen Tagesgeschäft und Großtransformation sonst zerrieben wird. Drei Punkte machen den Unterschied:
- Eigene Methodik für CP-Themen: ein wiederholbares Vorgehen vom Readiness Check über die WayForward-Bewertung bis zur Umsetzung.
- Fach- und Technik-Expertise im selben Team: Solution Architecture, ABAP- und Basis-Kompetenz, Modul-Know-how für EWM, PP und PS.
- Verzahnung mit Ihrer S/4HANA-Roadmap: Wir behandeln CP-Ablösung nicht isoliert, sondern als Baustein Ihrer Transformation – inklusive zukünftige Roadmap in die SAP Cloud-Welt.
Fazit: 2026 ist jetzt
Die 2027er-Wartungsdeadline dominiert die Diskussion – aber 2026 entscheidet, ob Sie compliant in den SAP S/4HANA-Standard kommen. Wer die Compatibility Packs heute aktiv adressiert, vermeidet doppelten Aufwand: keine ungewollte Brückenlösung und keine Lizenzfragen im laufenden Betrieb. Genauso wichtig: Die CP-Ablösung lässt sich sauber in eine bestehende S/4HANA-Roadmap einbauen – ohne sie zu blockieren.
Wenn Sie wissen möchten, welche Compatibility Packs in Ihrem System tatsächlich relevant sind und wie ein realistischer Fahrplan aussieht, starten wir mit einem fokussierten Assessment: SAP Readiness Check und EarlyWatch Alert auswerten, Scope schärfen, Roadmap-Entwurf und Sourcing-Empfehlung. Das Ergebnis: eine ehrliche Einschätzung, ein konkreter Maßnahmenplan und ein klares Bild Ihrer Compliance-Lage – rechtzeitig.
Der beste Zeitpunkt dafür ist heute.