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Enterprise Architektur (EAM) – Für die heutige Zeit noch wichtig?

SAP Cloud

Weniger Aufwand für einzelne Anwendungen – mehr Komplexität im Zusammenspiel: Die Cloud verändert die Anforderungen an Ihre Unternehmensarchitektur. Erfahren Sie, warum Enterprise Architecture Management (EAM) gerade jetzt wichtig ist und wie es hilft, Abhängigkeiten, Sicherheitsrisiken und Kosten im Blick zu behalten.

Warum die Cloud EAM unverzichtbar macht

Cloud-Lösungen vereinfachen den Betrieb einzelner Anwendungen – gleichzeitig wird die gesamte IT-Landschaft komplexer.
Enterprise Architecture Management ist kein neues Thema und je nachdem welche Erfahrungen ein Unternehmen damit gemacht hat gibt es unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen. Häufige Kritikpunkte und Meinungen sind:
• Es ist eine Dokumentation, die mit hohem Aufwand – und ohne Nutzen – erstellt wird
• Es bremst Innovation und Projekte aus
• Es ist zeitaufwändig
• Es ist zu kompliziert
• Es gibt doch eine CMDB (Configuration-Management-Database), in der alles erfasst ist
• Enterprise Architektur ist etwas in der IT

Diese Kritikpunkte treffen mitunter zu, allerdings gibt es auch einige Gründe für die Notwendigkeit von EAM und ein Ausweg aus der Kritik:

6 Gründe, warum Enterprise Architektur Management in der Cloud wichtiger als je zuvor ist

Mit dem Wechsel in die Cloud verschwindet die Unternehmensarchitektur nicht. Im Gegenteil: Ihre Bedeutung nimmt deutlich zu. Cloud-Angebote vereinfachen zwar die Bereitstellung einzelner Anwendungen und technischer Komponenten, zugleich wächst aber die Komplexität der gesamten IT-Landschaft.
Es entstehen dynamische Ökosysteme aus SaaS-Lösungen, Cloud-Plattformen, Integrationsdiensten, Identitätsdiensten und weiterhin vorhandenen Bestandssystemen. Enterprise Architektur Management wird damit zu einer wesentlichen Voraussetzung, um die Cloud kontrolliert, sicher und wirtschaftlich zu nutzen.

Grund 1: Von stabilen Systemen zu einem permanenten Veränderungsprozess

Klassische On-Premise-Systeme sind häufig durch lange Lebenszyklen geprägt. Neue Releases, technische Upgrades und größere funktionale Erweiterungen wurden als Projekte geplant. Zwischen zwei grundlegenden Veränderungen können aber mehrere Jahre liegen.
Cloud-Lösungen folgen einem anderen Prinzip. Anbieter stellen regelmäßig neue Funktionen bereit, ändern Benutzeroberflächen, erweitern APIs und stellen ältere Technologien oder Schnittstellen ab. Aus gelegentlichen Transformationsprojekten wird ein kontinuierlicher Veränderungsprozess.
Das bedeutet: Architekturentscheidungen sind nicht mehr nur zu Beginn eines Projekts erforderlich, sondern Unternehmen müssen fortlaufend entscheiden und bewerten, welche neuen Funktionen genutzt werden sollen, welche Schnittstellen oder Technologien abgekündigt oder aktualisiert werden, welche Auswirkungen ein Release auf Prozesse, Integrationen und Berechtigungen hat, u.v.m.
Enterprise Architektur Management schafft hierfür Transparenz und verbindliche Entscheidungswege. Es verbindet die strategische Planung mit Release Management, Portfolio Management, Security, Integration und dem operativen Betrieb.

Grund 2: Cloud reduziert lokale Komplexität – aber nicht die Gesamtkomplexität

Eine Cloud-Anwendung kann technisch einfacher zu betreiben sein als eine On-Premise-Lösung. Das Unternehmen muss keine Server bereitstellen, keine Datenbank installieren und zumeist auch keine technischen Updates durchführen. Diese Vereinfachung betrifft jedoch vor allem den Betrieb der einzelnen Anwendung.
Auf Ebene der gesamten Unternehmensarchitektur entsteht eine andere Form von Komplexität.

Ohne EAM droht deshalb eine neue Form des Wildwuchses: nicht mehr im eigenen Rechenzentrum, sondern verteilt über zahlreiche Cloud-Dienste und Plattformen.

Grund 3: IT-Security wird zur Architekturaufgabe

In einer traditionellen On-Premise-Landschaft bildet das Unternehmensnetz häufig eine klar erkennbare Sicherheitsgrenze. In modernen Cloud-Architekturen ist diese Grenze wesentlich durchlässiger. Benutzer*innen, Anwendungen und technische Dienste greifen aus unterschiedlichen Netzen und über verschiedene Endgeräte auf verteilte Ressourcen zu.

Damit reicht es nicht mehr aus, einzelne Systeme durch Firewalls abzusichern.

Security muss übergreifend gestaltet werden.

Gerade in hybriden Landschaften entstehen Risiken häufig an den Übergängen: zwischen Cloud und On-Premise, zwischen zwei Cloud-Anbietern oder zwischen Plattformdiensten und Geschäftsanwendungen.
EAM stellt sicher, dass Security nicht erst am Ende eines Projekts geprüft wird. Sicherheitsprinzipien werden Bestandteil der Zielarchitektur, der Integrationsmuster und der Architekturentscheidungen.

Grund 4: Integration wird zum Rückgrat der Cloud-Landschaft

Je stärker Anwendungen verteilt sind, desto wichtiger werden ihre Verbindungen. Ein Geschäftsprozess endet selten innerhalb eines einzigen Systems. Kunden-, Lieferanten-, Finanz- oder Personaldaten werden zwischen mehreren Anwendungen übertragen, transformiert und teilweise zwischengespeichert. Ohne übergreifende Architekturübersicht entstehen schnell Probleme durch zum Beispiel unklare Verantwortlichkeiten für Daten, schwer überwachbare Prozessketten oder Abhängigkeiten von einzelnen Personen oder Dienstleistern.
EAM definiert deshalb verbindliche Integrationsprinzipien. Dabei geht es nicht nur um Technik. Für jede Integration müssen auch Datenverantwortung, Schutzbedarf, Verfügbarkeit, Fehlerbehandlung und Lebenszyklus geklärt sein.

Grund 5: Standardisierung statt unkontrollierter Erweiterung

In On-Premise-Systemen können Unternehmen den Standard umfangreich verändern. Das führt häufig zu komplexen, stark individualisierten Systemen, deren Upgrades teuer und riskant sind.
Cloud-Lösungen setzen stärker auf Standardisierung und vorgegebene Erweiterungspunkte. Das reduziert technische Modifikationen, doch es verlangt klarere Architekturentscheidungen, denn ein Prinzip wie „Cloud first“ darf nicht bedeuten, dass für jede Anforderung ein weiterer Cloud-Service eingeführt wird. Ziel sollte eine möglichst einfache, integrierbare und langfristig beherrschbare Landschaft sein.

Grund 6: Kosten werden flexibler – und schwerer vorhersehbar

Cloud-Dienste verändern auch die Kostenstruktur. Statt einmaliger Investitionen kommen nun Subscriptions, nutzungsabhängige Preise, Plattform-Credits, Transaktionskosten und Benutzerlizenzen auf die User zu. Einzelne Services wirken zunächst günstig, können in Summe aber erhebliche dauerhafte Kosten verursachen.

EAM unterstützt das FinOps-orientierte Kostenmanagement, indem es technische Nutzung und geschäftlichen Nutzen miteinander verbindet. Dabei wird beispielsweise betrachtet:
• Welche Cloud-Produkte erfüllen ähnliche Funktionen?
• Welche Lizenzen und Entitlements werden tatsächlich genutzt?
• Welche Kosten entstehen durch Datenverkehr und Transaktionen?
• Welche Anwendung sollte konsolidiert oder abgeschaltet werden?
• Welche Exit-Kosten entstehen bei einem Anbieterwechsel?

 Eine Architekturentscheidung ist damit immer auch eine wirtschaftliche Entscheidung!
 Enterprise Architektur muss aktuell und entscheidungsfähig sein

Fazit: Die Gesamtbewertung

Die Cloud macht EAM nicht überflüssig – sie verändert seine Aufgaben. Doch wie lässt sich EAM so gestalten, dass es Entscheidungen unterstützt, statt zusätzlichen Dokumentationsaufwand zu erzeugen? Im zweiten Teil erfahren Sie, worauf es bei Governance, Business Capabilities und einem schrittweisen Aufbau ankommt.

Thorsten Würdemann

Senior Consultant