Die unsichtbare Deadline
„Wir haben noch Zeit bis 2027.“ – diesen Satz hört man in Gesprächen mit ECC-Kunden immer seltener, und das aus gutem Grund. Laut PR Newswire sind bereits rund 59 Prozent der Unternehmen vollständig oder teilweise auf SAP S/4HANA live, ein Anstieg um 13 Prozentpunkte gegenüber 2024. Die Migrationswelle ist also längst keine Prognose mehr, sondern Marktrealität – und wer jetzt nicht handelt, riskiert mehr als nur veraltete Software.
Die einfache Rechnung dahinter: Eine S/4HANA-Implementierung dauert je nach Pfad zwischen 9 und 24 Monate. Davor stehen rund drei Monate für Strategie, Budget und Partnerauswahl. Wer 2027 produktiv gehen will, muss also faktisch 2026 starten – und Strategie- sowie Auswahlprozesse bereits in diesem Jahr abschließen. Aus „2027“ wird damit sehr schnell „heute“.
Drei Risiken, die mit jedem Monat teurer werden
Wer den Migrationsstart aufschiebt, vermeidet keine Kosten – er verlagert sie. Drei Effekte sind in unseren Projekten regelmäßig zu beobachten und werden mit fortschreitender Zeit deutlich teurer:
- Ressourcenknappheit – der Beratermarkt trocknet aus
- Technologische Schulden – die Lücke zur modernen SAP-Welt wird größer
- Last-Minute-Risiko – Projektqualität sinkt unter Zeitdruck spürbar
Der Beratermarkt trocknet aus
SAP-Migrations-Expertise ist bereits heute stark nachgefragt. Die SAP-Community rechnet für 2026 und 2027 mit Steigerungen der Beratungskosten von 30 bis 50 Prozent. In unseren eigenen Pipeline-Daten sehen wir das gespiegelt: Anfragen für kurzfristige 2026-Starts wachsen exponentiell, qualifizierte SAP-Berater sind Mangelware, und Projekttermine müssen inzwischen ein Jahr im Voraus reserviert werden. Konkret bedeutet das: Ein Vorhaben, das heute mit 500.000 € Beratungskosten kalkuliert wird, bewegt sich 2027 eher zwischen 650.000 und 750.000 € – bei gleichem Leistungsumfang.
Technologische Schulden häufen sich
Je länger ein Unternehmen auf ECC verharrt, desto größer wird die Lücke zur modernen SAP-Welt. Neue Funktionen kommen für ECC schlicht nicht mehr; Anwendende arbeiten weiter mit Transaktionen, deren Bedienlogik 20 Jahre alt ist, statt mit den browserfähigen Fiori-Apps der aktuellen Generation. Moderne Cloud-Services lassen sich nur noch mühsam anbinden – stattdessen dominieren historisch gewachsene Flatfile-Transfers.
Very-Last-Minute-Projekte scheitern öfter
Eine überstürzte Migration führt erfahrungsgemäß zu deutlich höheren Risiken – von Projektverzögerungen über Dateninkonsistenzen bis zu Betriebsstörungen. Die Zahlen aus dem ASUG-Report 2024 belegen das eindrücklich: Rund 49 Prozent der bereits abgeschlossenen SAP S/4HANA-Projekte haben ihr ursprüngliches Budget gerissen, ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber 2023. Bei Vorhaben unter Zeitdruck liegt diese Quote nochmals deutlich höher. Wer also die Deadline absichern will, gewinnt mit jeder Woche früheren Starts nicht nur Pufferzeit, sondern auch Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten.
Drei Wege zu SAP S/4HANA – und wann welcher passt
Der ASUG-Report 2024 zeigt ein recht stabiles Marktbild: 34 Prozent der befragten Unternehmen verfolgen einen Brownfield-, 33 Prozent einen Greenfield- und 20 Prozent einen Hybrid-Ansatz. Die Wahl des richtigen Pfads hängt jedoch weniger vom Markttrend ab als vom Zustand des heutigen ECC, der Innovationsbereitschaft der gewünschten Prozessdisziplin und der Risikobereitschaft des Unternehmens.
Brownfield: schnell, kontrolliert, mit Altlasten
Eine System-Conversion ist die richtige Wahl für Unternehmen mit sauber gepflegtem ECC und stabilen Prozessen. Sie ist mit 8 bis 12 Monaten der schnellste Pfad, historische Daten bleiben erhalten und das fachliche Risiko ist überschaubar. Der Preis: Custom Code muss migriert, technische Schulden werden vorerst übernommen, und ein echter Clean Core ist nur über Nacharbeiten erreichbar. Für viele Bestandskunden – vor allem mit On-Premise-Strategie – ist Brownfield daher der pragmatische Einstieg, der Optimierungen in eine Phase nach dem Go-Live verschiebt.
Stärken auf einen Blick:
- Schnellster Pfad – 8–12 Monate möglich
- Historische Daten und gewohnte Prozesse bleiben erhalten
- Geringes fachliches Risiko, klar planbarer Aufwand
Grenzen:
- Custom Code muss migriert werden
- Technische Schulden bleiben zunächst bestehen
- Clean Core nur über Nacharbeiten erreichbar
Greenfield: strategischer Neustart
Wer heute ein stark customisiertes ECC betreibt oder die Migration ohnehin als Anlass für eine Prozess-Neuausrichtung nutzen möchte, fährt mit Greenfield besser. Der Vorteil ist ein Clean Core ab Tag eins, kombiniert mit der Chance, Prozesse zu standardisieren und auf SAP-Best-Practices zu setzen. Je nach Ansatz, On Premise, Cloud ERP / Public Cloud oder Cloud ERP Private Edition verlängert sich die Projektdauer auf typischerweise 12 bis 24 Monate, das Change-Management-Risiko steigt, und die Datenmigration wird zur eigenen Disziplin. Greenfield ist die Antwort, wenn die Transformation nicht als IT-, sondern als Unternehmensprojekt verstanden wird.
Stärken auf einen Blick:
- Clean Core ab Tag eins
- Chance zur Prozess-Standardisierung auf SAP-Best-Practices
- Maximale Zukunftsfähigkeit der Architektur
Grenzen:
- Längere Projektdauer – typisch 18–24 Monate
- Höheres Change-Management-Risiko
- Datenmigration als eigene Projektdisziplin
Hybrid: das Beste aus beiden Welten – mit Anspruch
Die Selective Data Transition kombiniert die Stabilität des Brownfield-Ansatzes mit der Modernisierungsdynamik von Greenfield. Selektive Datenübernahme, gezielte Prozess-Neuaufstellung und schrittweise Cloud-Adoption sind die typischen Bausteine. Im Gegenzug ist der Hybrid-Ansatz planerisch der anspruchsvollste – er erfordert erfahrene Berater:innen und einen höheren Koordinationsaufwand, da Migrations- und Transformationslogik parallel orchestriert werden müssen.
Stärken auf einen Blick:
- Balance zwischen Geschwindigkeit und Innovation
- Selektive Datenübernahme – nur die relevanten Bestände
- Schrittweise Cloud-Adoption statt Big Bang
Grenzen:
- Komplexeste Planung der drei Pfade
- Erfordert erfahrene Berater:innen mit Methodik
- Höherer Koordinationsaufwand parallel laufender Workstreams
Strukturiert statt hektisch: die BTC-Methodik im Überblick
Eine SAP S/4HANA-Migration ist kein einmaliges IT-Projekt, sondern eine mehrjährige Transformationsreise. Wir orientieren uns deshalb an der bewährten Fünf-Phasen-Methodik SAP Activate, die jedem Vorhaben den gleichen klaren Rahmen gibt – unabhängig vom gewählten Migrationspfad.
Den Auftakt macht ein Quick Assessment (4–8 Wochen) mit Custom-Code-Analyse, Datenvolumen-Check und ausgewähltem Mapping von Prozessen. Ergebnis ist eine klare Go/No-Go-Empfehlung samt Budget-Korridor. Es folgt die Detailplanung (6–8 Wochen): Projekt-Setup, Deployment-Entscheidung zwischen On-Premise, Private und Public Cloud sowie Migrationsdesign und Risikomanagement.
Die Realisierung selbst (8–18 Monate, je nach Pfad) führen wir in agilen Sprints – keine Wasserfall-Monolithen, sondern parallele Workstreams für Technik, Prozesse, Daten und Change Management. Kontinuierliches Testing und ein frühes Einbinden der Key User sind dabei nicht Add-on, sondern Standard. Nach dem Go-Live folgt die Hypercare-Phase (3–6 Monate) mit 24/7-Support, Performance-Tuning und schneller Issue Resolution. Den Abschluss bildet die Continuous Improvement: Clean-Core-Roadmap, Innovation-Backlog rund um BTP-Extensions und KI-Integration sowie ein strukturiertes Release-Management – damit aus dem Projekt eine zukunftssichere SAP-Landschaft wird.
Die fünf Phasen im Überblick:
- Quick Assessment (4–8 Wochen) – Custom-Code-Analyse, Datenvolumen-Check, Go/No-Go.
- Detailplanung (6–8 Wochen) – Projekt-Setup, Deployment-Entscheidung, Migrationsdesign.
- Realisierung (8–18 Monate) – agile Sprints, parallele Workstreams, kontinuierliches Testing.
- Hypercare (3–6 Monate) – 24/7-Support, Performance-Tuning, schnelle Issue Resolution.
- Continuous Improvement – Clean-Core-Roadmap, BTP-Innovation, Release-Management.
Was BTC dabei anders macht
SAP S/4HANA-Migrationen sind keine reine Technikfrage, und genau hier setzt unser Ansatz an. End-to-End aus einer Hand bedeutet bei BTC: Solution Architecture und Design, Technik von ABAP-Entwicklung über Basis bis zu Cloud-Architektur, Fachlichkeit aus Finance, Logistics, Manufacturing, gebündelt mit Branchenexpertise sowie Change-Begleitung durch Organisationsentwicklung und Training – alles im selben Team.
Wir sind dabei nicht ideologisch: On-Premise ist die richtige Antwort, wenn Datensouveränität oder TCO dafür sprechen, Private Cloud, wenn kontrollierte Cloud-Vorteile gefragt sind, Public Cloud, wenn maximale Innovationsgeschwindigkeit zählt – und Hybrid, wann immer das Beste aus mehreren Welten gefordert ist. Ergänzt wird das durch unser Nearshore-Modell: flexible Skalierung der Entwicklungskapazität, bis zu 40 Prozent Kostenvorteil gegenüber reinen Onshore-Projekten, bei deutscher Projektleitung und enger Steuerung.
Vier Hebel, die unseren Ansatz prägen:
- End-to-End-Kompetenz – Strategie, Technik, Fachlichkeit und Change aus einem Team
- Deployment-Flexibilität – On-Premise, Private Cloud, Public Cloud oder hybrid
- Business Transformation Center – strukturierter Sparringspartner für die Roadmap
- Nearshore-Modell – bis zu 40 Prozent Kostenvorteil bei deutscher Projektleitung
Fazit: Die Uhr tickt – aber Panik ist der falsche Ratgeber
Ja, 2027 kommt schneller als die meisten denken. Ja, Ressourcen werden knapper und teurer. Und ja, Unternehmen müssen handeln. Aber: Mit dem richtigen Partner, einer bewährten Methodik und einer klaren Strategie ist eine SAP S/4HANA-Migration kein Risiko, sondern eine Chance – die Chance, die eigene Prozesslandschaft für das nächste Jahrzehnt aufzustellen!